Unterricht reflektieren

Um den eige­nen Unter­richt zu pro­fes­sion­al­isieren, muss er reflek­tiert wer­den. Wie kann das gelin­gen, wenn man in der Regel allein vor der Klasse ste­ht?

Das Wichtig­ste ist, dass die eige­nen Wahrnehmungen trainiert wer­den. Beobacht­en Sie die Reak­tio­nen Ihrer Schü­lerin­nen und Schüler auf Arbeit­saufträge und Mate­ri­alien. Bes­tim­men Sie ihre Ver­trautheit mit den Meth­o­d­en. Ver­suchen Sie festzustellen, ob die von ihnen gewählten Sozial­for­men das Lern­ver­hal­ten zwis­chen den Schü­lerin­nen und Schülern unter­stützen. Prüfen Sie, ob die getrof­fe­nen didak­tis­chen Entschei­dun­gen angemessen waren oder leit­en Sie mögliche Verän­derun­gen für den Unter­richt daraus ab. Schlep­pende Unter­richtssi­t­u­a­tio­nen haben ihre Ursachen häu­fig in fehlen­der Moti­va­tion, in Unsicher­heit­en oder im Unver­ständ­nis der Schü­lerin­nen und Schüler gegenüber den Mate­ri­alien, dem Arbeit­sauf­trag oder den Meth­o­d­en. Sel­tener führen auch die schulis­chen Rah­menbe­din­gun­gen zu Span­nun­gen im Unter­richt.

Es ist fatal, die Ursachen für gelin­gen­den Unter­richt auss­chließlich bei der Lehrerin oder dem Lehrer und für misslin­gen­den Unter­richt auss­chließlich bei den Schü­lerin­nen und Schülern zu suchen. Denn grund­sät­zlich glauben wir, dass der Men­sch mit anderen kooperieren will, auch wenn man in der Schule manch­mal zu anderen Schlussfol­gerun­gen kommt. Hat man das Gefühl, dass die Klasse sich ver­weigert und nicht kooperieren will, muss man zuerst dieses Prob­lem lösen. Das ist aber kein method­isch-didak­tis­ches Prob­lem, son­dern bewegt sich auf der Ebene der Beziehun­gen.

Im Gegen­satz dazu soll es hier um Hin­weise für die Eval­u­a­tion von Unter­richt gehen, die sich auf fach­liche und method­isch-didak­tis­che Aspek­te beziehen. Auf diese Aspek­te kön­nen Sie sich konzen­tri­eren:

Machen Sie sich unbe­d­ingt Noti­zen und Ver­merke in den Pla­nung­sun­ter­la­gen, wenn Mate­ri­alien, Arbeit­saufträge, Stun­denkonzepte gelin­gen. An diesen Beobach­tun­gen und Erfahrun­gen ler­nen Sie. Hier entste­ht Ihre kün­ftige Sicher­heit.
 

Ärg­ern Sie sich nicht zu sehr, wenn etwas misslingt. Sehen Sie darin die Chance des Ler­nens und machen Sie sich bewusst, dass es nur wenige Stun­den im Schu­lall­t­ag gibt, in denen alles gelingt.
 

Nehmen Sie Ihre Schü­lerin­nen und Schüler als Experten im Ler­nen wahr. Sie kön­nen am besten ein­schätzen, wann und wie Unter­richt erfol­gre­ich ist.

 

Fra­gen Sie sie deshalb, was und wie geän­dert wer­den muss, damit Ler­nen erfol­gre­ich­er wird. Schü­lerin­nen udn Schüler geben einem in der Regel die wertvoll­sten Hin­weise.

 

Analysieren Sie das Stun­denkonzept in Bezug auf wahrgenommene Unsicher­heit­en der Schü­lerin­nen und Schüler:

 

  1. Wur­den die Lern­vo­raus­set­zun­gen richtig eingeschätzt?
  2. Wur­den die Meth­o­d­en pass­ge­nau und zielführend gewählt? Wo lagen Unter- oder Über­schätzun­gen?
  3. Waren die Auf­gaben aus­re­ichend präzise?
  4. Waren die Mate­ri­alien in ihrem Anspruch zu hoch oder in der Sprache zu schwierig?
  5. Wur­den die grup­pen­dy­namis­chen Prozesse aus­re­ichend bedacht?

 

Prüfen Sie kom­mende Stun­de­nen­twürfe erneut und ver­suchen Sie ihre Pla­nungsvorhaben aus der Per­spek­tive der Schü­lerin­nen und Schüler wahrzunehmen:
 
  1. Wenn ich meinen Entwurf lese, dann erlebe ich vor meinem inneren Auge in dieser Stunde …
  2. Weiß ich als Schü­lerin oder Schüler, worum es in der Stunde gehen soll?
  3. Weiß ich als Schü­lerin oder Schüler, was ich in der Stunde machen soll?
  4. Weiß ich als Schü­lerin oder Schüler, was von mir erwartet wird?
  5. Bauen die einzel­nen Phasen dynamisch aufeinan­der auf?
  6. Stim­men die Übergänge?
  7. Gibt es Brüche oder Span­nun­gen?
  8. Weiß und kann ich als Schü­lerin oder Schüler am Ende etwas mehr als zuvor?
  9. Sind alle Mate­ri­alien und Medi­en vorhan­den?