Jesus, ein Wunder für sich — Stundenentwurf

Stu­di­en­ref­er­en­darin:
Biologie/Evangelische Reli­gion


Lan­desin­sti­tut für Schulqual­ität und Lehrerbil­dung Sach­sen-Anhalt
Staatlich­es Sem­i­nar für Lehrämter Magde­burg

Ein Unterrichtsentwurf für den Prüfungsunterricht im Fach Religion

Fach: Evan­ge­lis­che Reli­gion

Sequen­zthe­ma: Jesus- ein Wun­der für sich?! — Dem Wun­dertäter auf der Spur.

Stun­den­the­ma: Die Botschaft Jesu geht an uns — Auch wir kön­nen Wun­dertäter sein!

Klassen­stufe: 7

Schule: X.Y.

Datum: XX.XX.XX

Uhrzeit: 8.30 Uhr – 9.15 Uhr

Raum: XXX

Haupt­sem­i­narleit­er: N.N.

Fach­sem­i­narlei­t­erin Biolo­gie: N.N.

Fach­sem­i­narlei­t­erin Ev. Reli­gion: N.N.

Schullei­t­erin: N.N.

Men­torin (Biolo­gie): N.N.

Men­torin (Reli­gion): N.N.

Kirchen­vertreter: N.N.



Abkürzungsverzeichnis

AB — Arbeits­blatt
EA — Einze­lar­beit
LI — Lehrerin­struk­tion
UG — Unterrichtsgespräch
PA — Part­ner­ar­beit
OHP — Over­head-Pro­jek­tor

Bedingungsanalyse

Der Reli­gion­sun­ter­richt in den Jahrgangsstufen 7a und 7b wird von ins­ge­samt 18 Schülern1Die Beze­ich­nung schließt im Fol­gen­den die weib­liche Form adäquat mit ein, elf Mäd­chen und sieben Jun­gen, im Alter zwis­chen zwölf und dreizehn Jahren besucht und von der Lehrkraft im Vor­bere­itungs­di­enst seit August 2018 eigen­ver­ant­wortlich unter­richtet.
Hin­sichtlich des Leis­tungsver­mö­gens sowie der weltan­schaulich-kon­fes­sionellen Prä­gung ergeben sich für den Reli­gion­skurs het­ero­gene Aus­gangsvo­raus­set­zun­gen. An dieser Stelle soll zunächst fest­ge­hal­ten wer­den, dass fast alle Schüler dem Reli­gion­sun­ter­richt sehr pos­i­tiv gegenüber­ste­hen, was sich daran zeigt, dass die Schüler ein all­ge­meines Inter­esse an religiösen Fragestel­lun­gen haben2Interreligiöse Per­spek­tiv­en sowie The­men wie Glauben­skriege und religiös ori­en­tiert­er Ter­ror­is­mus sind momen­tan beson­ders span­nende The­menge­bi­ete., Pro­jek­te und Auf­gaben­stel­lun­gen pro­duk­tiv erar­beit­et wer­den — wobei kreative Auf­gaben beson­ders beliebt sind und den Unter­richt wesentlich bere­ich­ern — häu­fig Rück­fra­gen gestellt wer­den und von vie­len Schülern auf ein solides religiös­es Vor­wis­sen zurück­ge­grif­f­en wer­den kann. Von dieser all­ge­meinen Grund­lage ausgenom­men ist nur ein Schüler: N.N. N.N. zeigt zumeist ein offenkundi­ges Desin­ter­esse am Unter­richt. Anfänglich äußerte sich dieses in den Unter­richt stören­den Ver­hal­tensweisen, die jedoch heute kaum noch zum Vorschein kom­men. Stattdessen zeigen sich seine oft­mals ablehnen­den Ein­stel­lun­gen in sein­er Mitar­beit, die sich als beson­ders her­aus­fordernd für den Unter­richt darstellt, da sich N.N. kaum bis gar nicht in Grup­pe­nar­beit­en inte­gri­eren kann. Hier scheit­ert er nicht zulet­zt an seinem eben­falls basal aus­ge­bilde­ten Fach­wis­sen, das er nur unzure­ichend ver­bal­isieren kann.

Anders sieht das bei N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N. und N.N. aus. Diese Schüler zeich­nen sich durch eine sehr gute Fachkom­pe­tenz aus. Sie sind in der Lage, Inhalte kumu­la­tiv zu erfassen und dif­feren­ziert zu ver­bal­isieren und sie zeich­nen sich zudem durch ihre inter­pre­ta­tiv­en Fähigkeiten aus. Bibel­texte wer­den effek­tiv erfasst und metapho­rische Aus­sagen kön­nen adäquat gedeutet wer­den.

N.N. und N.N. zeigen eine beson­dere religiöse Sozial­isierung, da N.N. auf ein­er evan­ge­lis­chen Grund­schule war und N.N. in ein­er Jugend­gruppe der Kirche inte­gri­ert ist. Beson­ders Let­zt­ge­nan­nter bringt den Unter­richt oft wesentlich voran. Lei­der zeich­net sich N.N. aber auch durch einen gesteigerten Drang nach Aufmerk­samkeit aus, was sich nicht sel­ten in unge­fragtem Dazwis­chen­rufen und (neg­a­tivem) Kom­men­tieren ander­er Schüler­aus­sagen äußert. In den let­zten Wochen hat sich dieses Ver­hal­ten etwas gebessert. Jedoch ist das Ver­hält­nis zu den Mitschülern immer noch sehr anges­pan­nt, da sie das dom­i­nante und oft­mals über­he­bliche Ver­hal­ten von N.N. nicht gutheißen. Noch immer demon­stri­ert und kom­mu­niziert N.N. beson­ders in Grup­pe­nar­beit­en, dass er der Beste ist und fordert diese Aufmerk­samkeit auch von der Lehrkraft ein, indem er belei­digt ist, wenn er nicht als Erster drangenom­men wird oder seine Ausar­beitun­gen nicht über­mäßig gelobt wer­den. Dementsprechend ist die Inte­gra­tion sein­er­seits in Grup­pe­nar­beit­en eben­falls sehr schwierig, sodass darauf — auch im Hin­blick auf N.Ns. Posi­tion in der Klasse — in den let­zten Wochen verzichtet wurde, da es auf Grund der bei­den Jungs zu Stre­it­igkeit­en in dem Kurs kam. Beson­ders die Mäd­chen sowie auch N.N. macht­en der Lehrkraft in ver­traut­en Gesprächen klar, dass sie momen­tan nicht mit N.N. und N.N. arbeit­en kön­nten. Um das soziale Gefüge wieder pos­i­tiv zu fes­ti­gen, wer­den nun zunächst pos­i­tive und gemein­schaftliche Erfahrun­gen in Form von gemein­samen Pro­jek­ten der ganzen Gruppe gesam­melt (Stuh­lkreise, Boden­bild, Bib­li­olog, bib­lis­che Erzäh­lung, Wun­der­buch …) und Part­ner­ar­beit­en bevorzugt forciert.

N.N., N.N., N.N., N.N. und N.N. beteili­gen sich regelmäßig am Unter­richts­geschehen. N.N. bemüht sich stets, sich in Gesprächen zu inte­gri­eren und er stellt oft gezielte Fra­gen, die ihn wirk­lich zu inter­essieren scheinen. Dabei hat er ins­ge­samt noch Prob­leme bei der Ver­bal­isierung von Fach­in­hal­ten. N.N., N.N., N.N., N.N. und seit kurzem auch N.N., beteili­gen sich in der Regel nicht aktiv am Unter­richts­geschehen. Die hier genan­nten Mäd­chen sind aber immer sehr aufmerk­sam, fre­undlich sowie koop­er­a­tiv und blühen beson­ders bei Grup­pe­nar­beit­en oder Pro­jek­ten auf. Beson­ders N.N. und N.N. fall­en neben N.N. im Klassen­ver­gle­ich durch ihr geringes Fach­wis­sen auf. Auch die Deu­tung von bib­lis­chen Tex­ten, die Über­tra­gung von Aus­sagen oder die Ver­bal­isierung von eige­nen religiösen Vorstel­lun­gen bere­it­et den Bei­den Schwierigkeit­en. Präzise For­mulierun­gen oder Stel­lung­nah­men sind an dieser Stelle nicht möglich. Ihnen scheint es dabei sehr unan­genehm zu sein, vor der Klasse zu sprechen und von der Lehrkraft drangenom­men zu werden.3Weitere und detail­lierte Angaben zu den Kom­pe­ten­zen der Schüler ent­nehmen Sie bitte dem kom­men­tierten Sitz­plan.

Ord­net man die Schüler vor diesem Hin­ter­grund entwick­lungspsy­chol­o­gisch ein und legt die Stufen­the­o­rie Fowlers zur Entwick­lung des Glaubens zugrunde, kann fest­gestellt wer­den, dass die Glaubensvorstel­lung der Schüler zwis­chen mythisch-wörtlichem und syn­thetisch-kon­ven­tionellem Glauben changiert.4Vgl. Schweitzer, Lebens­geschichte und Reli­gion, S. 137 f.
Erster­er zeigt sich beson­ders bei N.N., N.N., N.N. und N.N. in der Auseinan­der­set­zung mit Bibel­tex­ten oder religiösen Inhal­ten wie den Reich-Gottes-Vorstel­lun­gen. Zusät­zlich äußert sich in der Klasse die zum Teil nicht reflek­tierte Über­nahme von religiösen Vorstel­lun­gen aus dem sozialen Umfeld, was vor allem in den per­sön­lichen Glauben­saus­sagen der Schüler ver­an­schaulicht wird. Beson­ders N.N. rei­ht oft the­ol­o­gis­che Aus­sagen aus sein­er Gemeinde aneinan­der, die wir dann erst ein­mal in der gemein­samen Auseinan­der­set­zung ord­nen müssen. Zudem wer­den Glaubensvorstel­lun­gen zunehmend von einem wis­senschaftlich ori­en­tierten Welt­bild abgelöst. Aus­sagen wie: „Wir passen doch alle gar nicht in das Reich Gottes — das muss doch auch mal voll sein!“ spiegeln eine solche Anschau­ung gut wider. Die His­tor­iz­ität bib­lis­ch­er Inhalte wird zunehmend bezweifelt und als Folge kön­nen ger­ade die Wun­dergeschicht­en einen mas­siv­en Bedeu­tungsver­lust erfahren.5Vgl. Koll­mann, Wun­derver­ständ­nis von Kindern und Jugendlichen, S. 206. Kurz soll an dieser Stelle, in Ori­en­tierung auf die Auseinan­der­set­zung mit den Wun­der­erzäh­lun­gen, noch auf die The­o­rie der kog­ni­tiv­en Entwick­lung nach Piaget einge­gan­gen wer­den. Danach befind­en sich die Schüler größ­ten­teils in der Phase der for­malen Oper­a­tion, sodass hypo­thetisch-deduk­tives Denken grundle­gend möglich ist und unter­schiedliche Per­spek­tiv­en ein­genom­men sowie in kom­plex­en Prozessen gedacht wer­den kann.6Ausnahmen bilden hier N.N., N.N. und N.N., die sich noch in ein­er Über­gangsphase befind­en. Fol­glich kön­nen mehrere Fak­toren gedanklich miteinan­der koor­diniert werden.7Vgl. Schweitzer, Lebens­geschichte und Reli­gion, S. 110 ff.

Sachanalyse

Das Neue Tes­ta­ment berichtet von zahllosen Wun­dern, die von Jesus voll­bracht wurden.8Auch das Alte Tes­ta­ment ist geprägt von Wun­der­erzäh­lun­gen, vgl. dazu: Ex. 14, 16; Im NT selb­st taucht der Begriff Wun­der entsprechend des dif­fer­enten Wun­derver­ständ­niss­es nicht auf. Stattdessen begeg­nen uns drei andere Begriffe: sémeia (all­ge­meines Zeichen Gottes), ter­a­ta (außergewöhn­liche Tat Gottes), dynameis (Kraft­tat Gottes). Tat­säch­lich umfassen die Wun­der die am meis­ten vork­om­mende Über­liefer­ungs­form des Neuen Tes­ta­ments und sind somit von ele­mentar­er Bedeu­tung für die Christologie.9Vgl. Lach­mann, Rain­er, Wun­der, S. 381. Neben der Def­i­n­i­tion des Wun­ders als etwas emo­tion­al Wun­der­schönes, das das Gewohnte im Leben über­trifft, große Bewun­derung und Staunen her­vor­ruft (Sieg im Fußball, Geburt eines Kindes)10Vgl. Duden, Die deutsche Rechtschrei­bung., wird ein Wun­der heute zudem primär definiert als ein Ereig­nis, das die Naturge­set­ze aufhebt.11Vgl. Fen­ner, Dag­mar, Reli­gion­sethik, S. 29. Diese Def­i­n­i­tion lässt sich jedoch nicht auf die kos­mol­o­gis­che Sichtweise der Bibel anwen­den, da das Uni­ver­sum his­torisch-wis­senschaftlich betra­chtet noch nicht als ein auf Ursache-Wirkung beruhen­des Sys­tem ver­standen wurde. Stattdessen ist ein Wun­der im bib­lis­chen Sinn ein ungewöhn­lich­es und staunen­erre­gen­des Ereig­nis, in dem göt­tliche Kräfte zu spüren sind. Wun­der implizieren hier fol­glich eine sicht­bare Begeg­nung mit Gott, wobei auf das ver­heißene Reich Gottes ver­wiesen bzw. dieses mit dem Wun­der als gegen­wär­tig wirk­end erlebt wird.12Vgl. Koll­mann, Wun­dergeschicht­en, S. 202. Als Beispiele hier­für kön­nen ein starkes Gewit­ter oder die Heilung von Kranken ange­führt wer­den. Das Wun­der begeg­net uns also im neutes­ta­mentlichen Sinne als etwas Außergewöhn­lich­es, als Zeichen, dass Gott gegen­wär­tig agiert und als Demon­stra­tion der göt­tlichen Macht — aber keines­falls als etwas Unerk­lär­lich­es. In diesem neutes­ta­mentlichen Wun­derver­ständ­nis kon­sti­tu­iert sich zugle­ich die the­ol­o­gisch — sys­tem­a­tis­che Fragestel­lung nach dem Sinn der Wun­der: Mit Jesus bricht das Heil­w­er­den der Welt an und es kommt zur Begeg­nung zwis­chen Gott und Men­sch, die zum Glauben führt.13Vgl. Gop­pelt, Wun­der­erzäh­lun­gen, S. 203.

Die Wun­der Jesu ziel­ten vor allem darauf, den (Un-) Gläu­bi­gen zu zeigen, dass er der erwartete Mes­sias ist und mit ihm das ver­heißene Reich Gottes anbricht. Zen­tral geht es fol­glich um den Glauben, genauer die Glaubens­find­ung, die einen „Auf­bruch aus dem sta­tus quo“14Ebd.: S. 201. erfordert.15Vgl. Ebd.: S. 189 f.; Vgl. Lk. 7,18–23.
Geschichtlich betra­chtet, wur­den Wun­der in der Antike als selb­stver­ständlich ange­se­hen — sie gehörten zum All­t­ag der Men­schen. Wun­der dür­fen bzw. soll­ten von dieser his­torischen Aus­gangslage her betra­chtet, nicht wis­senschaftlich-kri­tisch „auseinan­dergenom­men“ wer­den, da sie in keinem Fall wis­senschaftlich aus­gerichtet sind bzw. aus­gerichtet sein sollen.16Vgl. Gop­pelt, Wun­der­erzäh­lun­gen, S. 194. Stattdessen muss the­ol­o­gisch nach den Wun­dern gefragt wer­den. Damit rückt das Weltver­hält­nis im Sinne ein­er the­ol­o­gis­chen Ethik in das Zen­trum der Betra­ch­tun­gen, was es uns ermöglicht, die Wun­der auch noch heute lebendig wer­den zu lassen. Auf dieser Grund­lage lassen sich die Wun­der­tat­en klas­si­fizieren: Neben Exorzis­men, in denen Jesus böse Geis­ter aus­treibt, Ret­tungswun­dern, in denen Jesus Men­schen aus ver­schiede­nen Not­langen befre­it, spie­len vor allem die Wun­der­heilun­gen eine zen­trale Rolle.17Vgl. Koll­mann, Wun­dergeschicht­en, S. 203. Dabei heilt Jesus in indi­vidu­ellen Begeg­nun­gen lei­dende und kranke Per­so­n­en von ihren Nöten. Ins­ge­samt sind die Wun­der­erzäh­lun­gen nach fes­ten „Stilgesetzen“18Lachmann, Rain­er, Wun­der, S. 382. stereo­typ­isch aufge­baut und bilden als solche eine the­ol­o­gisch aus­gerichtete Gesamtkom­po­si­tion mit entsprechen­der Inten­tion. Nach LACHMANN kann die hier zugrun­deliegende Top­ik fol­gen­der­maßen gegliedert wer­den: Expo­si­tion (Span­nung erzeu­gende Ein­leitung mit entsprechen­dem Tat­sachenbe­stand), Darstel­lung des Heilungsvor­ganges (wun­der- wirk­ende Worte und Hand­lun­gen Jesu) und schließlich einem Erzäh­lungsab­schluss (Reak­tio­nen der Anwe­senden über das Wundergeschehen).19Vgl. Lach­mann, Rain­er, Wun­der, S. 382. Eine solche Kom­po­si­tion umfasst auch das Wun­der der Heilung ein­er verkrümmten Frau am Sab­bat. Dabei begeg­net Jesus in ein­er Syn­a­goge ein­er Frau, die sich nicht mehr aufricht­en kann. Ihr Rück­en ist verkrümmt, sodass ihre Hal­tung, ihre Bewe­gung und ihr Blick entsprechend eingeschränkt sind. Seit 18 Jahren ist die Frau von diesem Lei­den geprägt. Die Ursache ist ein bös­er Geist, also böse, schwere und psy­chisch belas­tende Gedanken, die sie nicht alleine bewälti­gen und loswer­den kann. Trotz­dem hat die Frau ihren Glauben an und ihre Hoff­nung auf Gott nicht aufgegeben: Sie geht weit­er­hin in die Syn­a­goge. Jesus erken­nt die belas­tende Sit­u­a­tion der Frau, will sich ihr zuwen­den und sie aus ihrem Leid befreien. Er spricht zu ihr, legt ihr seine Hände auf und sogle­ich kann sie sich aufricht­en. Spätestens an dieser Stelle ergibt sich eine inter­pre­ta­tive Vielfalt: Was hat Jesus genau gemacht? Haben seine Worte die Frau geheilt? Hat er sie vielle­icht in den Kreis sein­er Jünger aufgenom­men? Ihr einen neuen Weg gezeigt? Hat er sie mit seinen Hän­den behan­delt? Eine genaue Klärung des Tatvor­ganges ist wie bere­its betont: Unwesentlich. Wesentlich ist, dass Jesus ein­er benachteiligten, als sozial min­der­w­er­tig ange­se­henen Per­son Hil­fe anbi­etet und diese Hil­fe auch leistet.20Vgl. Möbius, Hin­führung zum Predigt­text. Anschließend preist die Frau Gott. Ihr Glaube wurde durch Jesus wun­der­wirk­ende Heilung bestärkt. Es ist für Jesus an dieser Stelle bedeu­tungs­los, dass Sab­bat ist und der Ruhetag heute jegliche Arbeit ver­bi­etet (Motiv des Protests). Der Men­sch kommt für Jesus vor diesem Gesetz.21Vgl. Mk. 2,27: Der Sab­bat wurde für den Men­schen gemacht, nicht der Men­sch für den Sab­bat.

Die Wun­der­erzäh­lung gehört zum Son­dergut des Lukas. Arme und Sün­der ste­hen bei ihm zumeist im Mit­telpunkt der Geschicht­en, sowie auch die min­dergeachteten und religiös min­der­berechtigten Frauen.22Vgl. Möbius, Hin­führung zum Predigt­text. Indem sich Jesus diesen Men­schen zuwen­det, bricht er das starre Gefüge des Tun-Erge­hen-Zusam­men­hanges auf, nach welchem Ver­ständ­nis Krankheit als eine Strafe Gottes für began­gene Sün­den ange­se­hen wurde. Denn Gott wen­det sich nun genau diesen lei­den­den Men­schen zu (Motiv der Hoff­nung). Wun­dergeschicht­en als solche, spenden Hoff­nung auf ein besseres oder anderes Leben und fordern des­gle­ichen nun auch uns auf, uns, in Anlehnung an das Han­deln Jesu, anderen Men­schen zuzuwen­den. Zen­tral für die heutige Stunde ist bei dieser Erzäh­lung fol­glich die im Zen­trum ste­hende Heilung und nicht die poli­tisch geprägte Frage nach der Sab­ba­truhe.

Didaktische Einbettung

Auf Grund­lage der in der Sach­analyse erfol­gten fach­lichen Dar­legun­gen wird ersichtlich, dass die Wun­der­erzäh­lun­gen der Bibel keines­falls his­torisch para­doxe und abge­laufene Tat­sachen­berichte darstellen. Sie sind vielmehr the­ol­o­gis­che Werke, die im Sinne ein­er the­ol­o­gis­chen Ethik, als entsprechende Hand­lung­sori­en­tierun­gen und Ver­hal­tensauf­forderun­gen für den Men­schen gedeutet wer­den kön­nen. Als solche aktuell immer noch wirk­samen und im Hor­i­zont ein­er christlichen Hoff­nung bedeut­samen Werke, sollen die Wun­der­erzäh­lun­gen vor den Motiv­en von Hoff­nung und Protest im Rah­men dieser Sequenz auch den Schülern begeg­nen. Aktuelle Lebens­bezüge sind hier von zen­traler Bedeu­tung. Dabei wer­den die Schüler mit den kor­re­lieren­den his­torischen Wun­derver­ständ­nis­sen kon­fron­tiert, die miteinan­der in Ein­klang gebracht wer­den müssen. Auf dieser Grund­lage ist das The­ma „Wun­der“ im Fach­lehrplan der Klasse 7 im Bere­ich der Chris­tolo­gie ver­ankert. Dieser Stunde geht die Wun­der­erzäh­lung von der Heilung eines Blind­en bei Jeri­cho (Lk. 18,35 ff.) voran, anhand der­er der all­ge­meine Auf­bau von Wun­dern erar­beit­et und eine erste ana­lytis­che Begeg­nung mit den Wun­dern Jesu geschaf­fen wurde. In der Stunde zuvor wurde zunächst eine leben­sna­he Begeg­nung mit dem heuti­gen Heilungswun­der erzielt und die Erzäh­lung durch die naive Brille (wörtlich­es Ver­ständ­nis) und die wis­senschaftliche Brille (wis­senschaftliche Per­spek­tive) kri­tisch betra­chtet. Die heutige Stunde zielt darauf, das Wun­der von der Heilung ein­er verkrümmten Frau durch die ana­lytis­che Brille zu betra­cht­en, entsprechend zu deuten sowie fol­glich angemessen zu ver­ste­hen und das Wun­der als solch­es in den Klassen­raum zu holen.23Vgl.: Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 4. Auf diese Weise wer­den bere­its ange­wandte Meth­o­d­en wieder­holt, gefes­tigt, Par­al­le­len erkan­nt sowie in einem anderen Zusam­men­hang neu erlebt.24Vgl.: Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 4. Die neu erlangten Erken­nt­nisse in Bezug auf diese Wundererzählung wer­den im Ver­lauf der Sequenz immer wieder im Sinne ein­er lebendi­gen Methodik der Wun­der­di­dak­tik, eine leben­sna­he Anwen­dun­gen find­en. Dies geschieht, indem rel­e­vante Lebens­bezüge zum eige­nen Ich, zu promi­nen­ten Songs (Sido) oder Schick­salen (Nick Vuji­cic) sowie Fil­men (Wun­der) hergestellt und die Motive von Hoff­nung und Protest ana­log zu der Wun­der­erzäh­lung aus­gemacht werden.25Kollmann betont im Rah­men sein­er Wun­der­di­dak­tik stets die Bedeut­samkeit von audio­vi­suellen Medi­en, wobei das Medi­um der Pop­musik beson­ders stark in der Lebenswelt der Schüler ver­ankert ist. Auf diese Weise lassen sich ele­mentare Aspek­te der Wun­der­hermeneu­tik im Sinne eines schüleror­i­en­tierten Zuganges zur Sprache brin­gen sowie ver­tiefen. Auch die Spuren­suche nach dem Wun­der­baren im eige­nen Leben lässt sich auf diese Weise anre­gen. Von zen­traler Bedeu­tung wird hier dann nicht mehr nur das Ver­ständ­nis, son­dern der Umgang mit und die Aktu­al­ität von den bib­lis­chen Wun­dergeschicht­en sein. Im Fol­gen­den sind die Wun­der erst wieder in der Ober­stufe (Klasse 11) von expliziter Bedeu­tung, obwohl sie auch in der Klassen­stufe 8 oder 10 im Bere­ich der Ethik sehr gut ver­ankert wer­den können.26Gleichberechtigung (Klasse 8) oder Grun­daus­sagen christlich­er Ethik (Klasse 10): Beispiel­sweise würde sich hier das Wun­der von der Brotver­mehrung anbi­eten. Für einen ana­lytis­chen, sys­tem­a­tis­chen und mul­ti­per­spek­tivis­chen Umgang, sollen in dieser Stunde und Sequenz erste wesentliche Grund­steine gelegt werden.27Spätestens hier sollte das Wun­der als Gesamtkom­po­si­tion betra­chtet wer­den und dementsprechend keine Kürzun­gen mehr vorgenom­men wer­den. Aus didak­tis­ch­er Sicht ergeben sich daraus fol­gende Über­legun­gen:
Die Stunde ori­en­tiert sich in ihrer Struk­tur über­wiegend an der Ele­men­tarisierung nach SCHWEITZER28Wenn nicht anders angegeben, sind die Fach­di­dak­tis­chen Inhalte der Didak­tik nach Schweitzer ent­nom­men: Schweitzer, Friedrich: Ele­men­tarisierung, S. 14 ff. und umfasst damit ein­herge­hend wesentliche Momente der Bil­dungs­di­dak­tik nach KLAFKI.

Der Inhalt der Stunde ist durch eine gezielte Reduk­tion der Wun­der­erzäh­lung in Ori­en­tierung auf den Kern der Sache gekürzt wor­den. Zen­tral ist die Hand­lung Jesu und nicht die poli­tisch geprägte Frage nach der Sab­ba­truhe, welch­es dem Lehrplan entsprechend ist.29Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Fach­lehrplan Reli­gion, S. 19. Fol­glich wurde die Diskus­sion der Erzäh­lung um den Sab­bat weggekürzt, wobei das Motiv selb­st durch die Wahl der Über­schrift nicht ver­loren geht. Auch mit Hil­fe von drei ana­lytis­chen Schw­er­punk­ten für diese Stunde, soll der Anwen­dungs­bere­ich auf das Wesentliche reduziert und ori­en­tiert wer­den. (ELEMENTARE STRUKTUREN)

Im Sinne des exem­plar­ischen Ler­nens auf Grund­lage von Klafkis kri­tisch-kon­struk­tiv­er Didak­tik, soll die Wun­derdeu­tung angewen­det und als ein immer noch aktuell über­trag­bares Phänomen auf das gegen­wär­tige Weltver­hält­nis wahrgenom­men werden.30Vgl. Klaf­ki, Wolf­gang: Bil­dungs­the­o­rie und Didak­tik, S.144. (ELEMENTARE METHODEN)
Durch die Deu­tung der Wun­der­erzäh­lung und der anschließen­den Über­tra­gung auf die Gegen­wart begeben wir uns in diesem Rah­men zusät­zlich auf die Suche nach dem Wahrheit­sanspruch: Gab es Wun­der wirk­lich? Berühren wer­den wir dabei auch stets die Frage nach der Aktu­al­ität von Wun­dern: Gibt es heute noch Wun­der? (ELEMENTARE WAHRHEITEN)

Indem die Schüler aktiv ver­schiedene Per­spek­tiv­en ein­nehmen, sollen sie selb­st ange­sprochen und zugle­ich aktiv zu ein­er indi­vidu­ellen Auseinan­der­set­zung mit den Wun­der­erzäh­lun­gen aufgerufen wer­den. Zudem sollen sich die Schüler in die Sit­u­a­tion der verkrümmten Frau ein­find­en, indem sie sich auf metapho­risch­er Ebene selb­st Las­ten auf den Rück­en bür­den, die sie stem­men müssen. Auf diese Weise wer­den das Bild und die Geschichte in die Gegen­wart geholt und auch die für die Schüler so wichtige Frage nach der His­tor­iz­ität berührt. Da der Schüler damit selb­st zum Zen­trum der Auseinan­der­set­zung wird, wird zugle­ich ein schülerzen­tri­ert­er Unter­richt erlebt. Beson­ders inter­es­sant ist für die Schüler, dass wir uns den Wun­dern in dieser Sequenz auch aus wis­senschaftlich­er Per­spek­tive zuwen­den. Das Streben nach Tat­sachen, Dat­en und Fak­ten, die unseren All­t­ag bes­tim­men, ist für die aktuelle Stufe des Glaubens charak­ter­is­tisch. Glaub­würdi­ge und unglaub­würdi­ge Erzäh­lun­gen wer­den automa­tisch voneinan­der unterschieden.31Vgl. Büt­tner, Jesus hil­ft, S. 80. Bei den Schülern kommt in der Auseinan­der­set­zung mit den Wun­dergeschehen fol­glich sofort die Frage auf: Wie hat Jesus das gemacht? Genau das ist nicht der zielführende Ansatz, um nach den Wun­dern zu fra­gen. Die Frage ist aber zugle­ich ein sehr guter Anknüp­fungspunkt, um an die Aus­gangsvo­raus­set­zun­gen der Schüler anzuset­zen, da sie danach ver­langt, Ver­stand und Botschaft Jesu in Ein­klang zu brin­gen. Auf diese Weise soll erre­icht wer­den, einen Aus­gangspunkt zu schaf­fen, mit dem sich die Schüler bewusst iden­ti­fizieren kön­nen. Entsprechend ist der Blick durch alle drei Brillen, auch durch die „Naive“, von zen­traler Bedeu­tung. (ELEMENTARE ZUGÄNGE)32Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 2.
Die Schüler haben alle einen indi­vidu­ellen Bezug zu Jesus, welche Tat­sache allein dadurch begrün­det wer­den kann, dass sie bere­its seit der 5. Klasse den Reli­gion­sun­ter­richt am Bur­gen­land-Gym­na­si­um besuchen. Zugle­ich hat Jesus für das All­t­agsleben der meis­ten Jugendlichen kaum eine Bedeu­tung und er hat im Gegen­satz zur Phase der Kind­heit häu­fig deut­lich an Rel­e­vanz verloren.33Vgl. Schweitzer, Friedrich: Ele­men­tarisierung, S. 169–170. Dies zeigte sich beispiel­sweise beim Ein­stieg in die Chris­tolo­gie, bei dem sich die Schüler in Anlehnung an ein Boden­bild zur Per­son Jesu posi­tion­ieren soll­ten. Die meis­ten Schüler platzierten sich außer­halb des „Jesus-Kreis­es“ und pos­tulierten damit, dass Jesus in ihrem Leben außer­halb des Reli­gion­sun­ter­richts keine bzw. kaum eine Rolle spielt. Trotz­dem haben die Kinder der siebten Klasse immer noch Fra­gen an und über Jesus, die vor allem von his­torisch-kri­tis­chem Inter­esse sind: Kon­nte Jesus wirk­lich Blinde heilen? Hat­te er wirk­lich so lange Haare? Warum war Jesus so beliebt?

Auch die hier zugrun­deliegende Dis­tanzierung soll wesentlich­er Bestandteil der Sequenz sowie der gegen­wär­ti­gen Stunde sein, indem die erhobe­nen Schüler­fra­gen Beach­tung und Beant­wor­tung find­en wer­den. Dabei wer­den die Wun­der stets als Brück­en­schlag zwis­chen Indi­vidu­um und Jesus Chris­tus ver­standen. Indem bewusst Heilungswun­der herange­zo­gen und gedeutet wer­den, begeg­net Jesus den Kindern als der­jenige, der hil­ft und damit als ein greif­bar­er Gegenüber.34Vgl. Büt­tner, Jesus hil­ft, S. 132 ff. Das hero­is­che Ide­al, das bei den Jugendlichen häu­fig eine Iden­ti­fika­tion mit Jesus erschw­ert, da ihnen Jesus zumeist als beson­ders ide­al­is­tis­che und hoheitsvolle Per­sön­lichkeit begeg­net, in welchen Syn­ony­men sie sich selb­st nicht wider­spiegeln kön­nen — beson­ders nicht in den Phasen der krisen­re­ichen Pubertät — soll damit über­wun­den werden.35Vgl. Schweitzer, Friedrich: Ele­men­tarisierung, S. 172. Indem wir also die Erzäh­lun­gen deuten und auf das Hier und Jet­zt beziehen, holen wir das hero­is­che Ide­al zurück in den Klassen­raum und fra­gen nach Jesus als einen Mann, der sich den Men­schen zuwen­det und ihnen hil­ft.

Auch Krankheit­en gehören zur Lebenswelt der Schüler. Sie erleben nicht nur die heile Welt, sie wer­den auch stets damit kon­fron­tiert, dass es Lei­den, Behin­derun­gen und schließlich auch den Tod gibt, der dann in der fol­gen­den Sequenz zum The­ma wird. Die Heilungswun­der bieten sich also für eine frucht­baren Auseinan­der­set­zung an, denn sie kön­nen mit den lebensweltlichen Erfahrun­gen der Schüler beson­ders gut in Deck­ung gebracht werden.36Vgl. Lach­mann, Wun­der, S. 389, Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 3; 14. (ELEMENTARE ERFAHRUNGEN)

Kompetenzorientierte Lernziele

Am Ende der Unter­richtsse­quenz „Jesus — ein Wun­der für sich?! Dem Wun­dertäter auf der Spur,“ sind die Schüler grund­sät­zlich in der Lage, ver­schiedene Wun­derver­ständ­nisse his­torisch begrün­det voneinan­der zu dif­feren­zieren und die Wun­der als the­ol­o­gis­che, immer noch wirk­same Gesamtkom­po­si­tio­nen mit entsprechen­der Top­ik wahrzunehmen, indem sie aus­gewählte Wun­der­erzäh­lun­gen adäquat deuten und analoge Bezüge zu ihrer Lebenswelt in Ori­en­tierung auf die Motive von Hoff­nung und Protest her­stellen kön­nen. Die Stunde leis­tet dazu einen Beitrag im Kon­text fol­gen­der Fachkom­pe­ten­zen:

DEUTUNG:

Die Schüler sind gemein­sam in der Lage, die Wun­der­erzäh­lung in Ori­en­tierung auf aus­gewählte Schw­er­punk­te angemessen zu deuten, indem sie sich gegebe­nen­falls an vorgegebe­nen Impuls­fra­gen ori­en­tieren und dabei zugle­ich erken­nen, dass ver­schiedene Inter­pre­ta­tion­san­sätze nebeneinan­der­ste­hen kön­nen.

KOMMUNIKATION UND DIALOG:

Die Schüler kön­nen sich in Anlehnung an die Impuls­fra­gen sachgerecht und zielo­ri­en­tiert mit der Bear­beitung der Wun­der­erzäh­lung auseinan­der­set­zen und ihre indi­vidu­ellen Deu­tungsver­suche miteinan­der kom­mu­nizieren sowie zu diesen grundle­gend Stel­lung beziehen.

WAHRNEHMUNG UND DARSTELLUNG:

Die Schüler kön­nen das instru­ierte Stand­bild mit der Wun­der­erzäh­lung in Beziehung set­zen, indem sie die Wun­der­botschaft aus dem Stand­bild her­ausar­beit­en und dabei wahrnehmen, dass die Rolle des Wun­dertäters nicht an Jesus und seine Zeit gebun­den ist, son­dern dass uns seine Botschaft auch noch heute gilt.

Methodische Entscheidungen

Will man Auf­schluss über das Denken und die Sprache von Jugendlichen in chris­tol­o­gis­chen Fra­gen erhal­ten, so legt sich ein qual­i­ta­tiv­er Forschungsansatz nahe, der die Jugendlichen selb­st zu Wort kom­men lässt.“
Friedrich Schweitzer37Schweitzer, Ele­men­tarisierung im Reli­gion­sun­ter­richt, S. 165.

Aus den didak­tis­chen Über­legun­gen ergibt sich das method­is­che Vorge­hen der Stunde, das grundle­gend das Ziel ver­fol­gt, die Schüler im Sinne von Wun­derfind­ern selb­st zu Forsch­ern und Ent­deck­ern wer­den zu lassen und sie dazu einzu­laden, eine eigene Antwort auf die zen­tralen Wahrheits­fra­gen zu find­en. Der Erken­nt­nis­prozess der Stunde ist durch ein sys­tem­a­tis­ches Vorge­hen, im Sinne ein­er effek­tiv­en und anschaulichen Inter­pre­ta­tion, aus­gerichtet: Ori­en­tierung in Bezug auf die Aus­gangssi­t­u­a­tion und Ein­find­ung in die Wun­der­erzä lung, Erforschung bzw. Inter­pre­ta­tion ele­mentar­er Motive und die Ver­an­schaulichung der Ergeb­nisse im Sinne ein­er lebendi­gen Über­tra­gung in das Hier und Jet­zt.

Die Wun­der­erzäh­lung über die Heilung der verkrümmten Frau am Sab­bat bildet damit den Rah­men der Stunde. Entsprechend dient sie auch dem Ein­stieg. Neben einem Bildim­puls, der die Iden­ti­fika­tion mit der im Wun­der geschilderten Sit­u­a­tion ini­ti­ieren und erle­ichtern soll, wird mit dem Lesen der Erzählung in verteil­ten Rollen in die Stunde einge­führt. Auch diese Rol­len­verteilung soll für eine Iden­ti­fika­tion mit den rel­e­van­ten Per­sön­lichkeit­en und Momenten anre­gen, indem sie den Text lebendig macht und dabei zugle­ich ori­en­tierend auf die noch fol­gende Inter­pre­ta­tion wirkt.38Vgl. Koll­mann, S. 209.
Für die Förderung eines angemesse­nen the­ol­o­gis­chen Wun­derver­ständ­niss­es ist es von ele­mentar­er Bedeu­tung, die Schüler im Sinne eines The­ol­o­gisierens auf Augen­höhe, als kom­pe­tente Gesprächspart­ner wahrzunehmen und die richtige Per­spek­tive einzunehmen. Dafür ist ein Blick durch die „ana­lytis­che Brille“ notwendig, durch welchen die Wun­der gedeutet wer­den und dabei keinen oder nur noch einen unter­ge­ord­neten his­torisch-wis­senschaftlichen Anspruch stellen.39LACHMANN spricht hier vom hermeneutisch-per­sön­lichen Ver­ste­hen­styp und dif­feren­ziert dabei eben­falls ins­ge­samt drei Sichtweisen. Damit sich die Schüler mit den unter­schiedlichen Sicht- bzw. Herange­hensweisen iden­ti­fizieren kön­nen, sprechen wir von drei basalen Brillen, die wir „auf­set­zen“ und die als Mod­elle mit in das Unter­richts­geschehen inte­gri­ert werden.40Einige Schüler, wie N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N. und N.N. haben sehr viel Freude daran, die Brille beim Vor­tra­gen tat­säch­lich aufzuset­zen, sodass sie bei der Ergeb­nisvorstel­lung herumgere­icht wird. Der heutige Blick durch die „ana­lytis­che Brille“, erfol­gt mit Hil­fe eines zielo­ri­en­tiert aus­gerichteten Arbeits­blattes. Dieses umfasst im Sinne ein­er Dif­feren­zierung für aus­gewählte Schüler Impuls­fra­gen, die den Erken­nt­nis­prozess unter­stützen und zudem sich­er­stellen sollen, dass die vielfälti­gen Inter­pre­ta­tio­nen der Schüler in eine gemein­same Rich­tung gehen, sodass es zu einem Ver­gle­ich der Ergeb­nisse kom­men kann. So wer­den vor allem die Schüler an die Hand genom­men, die die metapho­rischen Inhalte der Erzäh­lung schw­er­er erken­nen und über­tra­gen kön­nen. Daneben wird für alle Schüler eine kleine Impulssta­tion ange­boten. Dieser sollen sich die Schüler eigen­ver­ant­wortlich zuwenden.41Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 2. Die Hil­festel­lun­gen sind so kon­stru­iert, dass auch hier kleine Trans­fer­leis­tun­gen notwendig sind, die den Auf­bau von Deu­tungskom­pe­ten­zen unterstützen sollen.

Des Weit­eren haben die Jugendlichen die Bibel­stelle schriftlich vor­liegen, sodass sie indi­vidu­elle Markierun­gen vornehmen kön­nen und sichergestellt ist, dass jed­er auf die Bibel­stelle zurück­greifen kann. Alter­na­tiv hätte hier auch die Bibel als Primärquelle genutzt wer­den kön­nen, worauf jedoch aus zeitökonomis­chen Grün­den verzichtet wird. Auch das Schul­buch wäre eine Alter­na­tive gewe­sen. Hier ist der Bibel­text jedoch noch stärk­er verkürzt abge­druckt wor­den, sodass sich die Top­ik inner­halb der Erzäh­lun­gen und damit die the­ol­o­gis­che Chore­ografie der Geschichte nicht mehr aus­machen lässt.

Der Ver­gle­ich der Ergeb­nisse erfol­gt gemein­sam mit Hil­fe ein­er Folie. Auf dieser kön­nen gegebe­nen­falls noch Ergänzun­gen der Schüler vorgenom­men wer­den. Hier­an soll eine Ver­tiefung anknüpfen, indem wir das Bild und das Motiv von der gekrümmten Frau in den Klassen­raum holen. Dafür wer­den die von den Schülern bere­its in der Reich-Gottes-Auseinan­der­set­zung ange­fer­tigten „Las­ten-Steine“, durch welche Nutzung eben­falls ein emer­gentes Unter­richts­geschehen real­isiert wer­den soll, genutzt.42Vgl. Ebd.: S. 14. Ein frei­williger Schüler bekommt 2–3 Steine auf den Rück­en gelegt und wird diese durch ein gezieltes Vor­beu­gen, aus­bal­ancieren (kleines Stand­bild). Während wir zu Beginn bildlich ein­steigen, holen wir am Ende das Bild der verkrümmten Frau als Realan­schau­ung und im Sinne ein­er frucht­baren Kom­mu­nika­tion in den Klassenraum.43Vgl. Ebd.: S. 3. Auch hier­durch wird der Stunde ein entsprechen­der Rah­men ver­liehen. Ziel wird es im Fol­gen­den sein, den Schüler von seinen Las­ten zu befreien bzw. ihm die Las­ten zu erle­ichtern. So wer­den die Schüler selb­st zu Wun­dertätern, indem sie ihre Hil­fe anbi­eten und gemein­sam die Steine tra­gen wer­den. Mit dieser von der Lehrkraft gezielt ini­ti­ierten Sit­u­a­tion begeben wir uns nun in den Bere­ich der christlichen Ethik und entsprechend in Rich­tung der Botschaft Jesu. Alter­na­tiv hätte man sich zum Abschluss auch im Rah­men eines Gespräch­skreis­es den Las­ten­steinen der Schüler zuwen­den kön­nen, die aufzeigen, dass es für jeden schon ein­mal im Leben Sit­u­a­tio­nen gab, in denen sie Las­ten auf den Schul­tern hat­ten und von anderen aufgerichtet bzw. unter­stützt wer­den mussten. Hier­bei kann es sich jedoch auch um schwere und gegebe­nen­falls bedück­ende Inhalte han­deln, die die Schüler im Rah­men ein­er Prü­fungsstunde hem­men kön­nten. Deswe­gen wird dieser Lebens­bezug erst in der kom­menden Stunde real­isiert und zudem noch mit den Motiv­en von Hoff­nung und Protest ver­bun­den, die in unserem Leben stets von impliziter Bedeu­tung sind. So wer­den die in der heuti­gen Stunde erlangten Erken­nt­nisse auch in den kom­menden Stun­den und dabei beson­ders im Blick auf die aktuellen Weltver­hält­nisse von Bedeu­tung sein. Die Frage nach der Botschaft Jesu ist an dieser Stelle keines­falls abgeschlossen.

Tabellarischer Unterrichtsverlauf

Kommentierter Sitzplan

Sequenzplanung

 

Materialien und Erwartungshorizonte

Die Mate­ri­alien find­en sich in diesem Ord­ner. Das Pass­wort erfahren Sie von ihrer Sem­i­narleitung.

Quellen

Bib­li­ogra­phie:

  • Büt­tner, Ger­hard: Jesus hil­ft! Unter­suchun­gen zur Chris­tolo­gie von Schü­lerin­nen und Schülern, Stuttgart: Cal­w­er Ver­lag, 2002.
  • Duden: Die deutsche Rechtschrei­bung. Band 1. Mannheim: Duden­ver­lag, Bib­li­ographis­ches Insti­tut &F.A. Brock­haus, 200624.
  • Gop­pelt, Leon­hard: Wun­der­erzäh­lun­gen, in: Roloff, Jür­gen (Hg.): The­olo­gie des Neuen Tes­ta­ments. Erster Teil: Jesu Wirken in sein­er the­ol­o­gis­chen Bedeu­tung, Göt­tin­gen: Van­den­hoeck & Ruprecht, 1976.
  • Koll­mann, Bernd: Wun­dergeschicht­en, in: Koll­mann Bernd (Hg.): Neutes­ta­mentliche Wun­dergschicht­en, bib­lisch the­ol­o­gis­che Zugänge und Impulse für die Prax­is, Stuttgart: W. Kohlham­mer Ver­lag, 20072.
  • Lach­mann, Rain­er: Wun­der, in: Lach­mann, Rain­er; Adam, Got­tfried (Hg.): The­ol­o­gis­che Schlüs­sel­be­griffe. The­olo­gie für Lehrerin­nern und Lehrer, Band 1, bib­lisch, sys­tem­a­tisch, didak­tisch, Göttingen:Vandenhoeck & Ruprecht. 2012.
  • Fen­ner, Dag­mar: Reli­gion­sethik — Ein Grun­driss, Stuttgart: Ver­lag W. Kohlham­mer, 2016.
  • Schweitzer, Friedrich (Hg.): Ele­men­tarisierung im Reli­gion­sun­ter­richt. Erfahrun­gen, Per­spek­tiv­en, Beispiele, Neukirchen-Vluyn, 20074.
  • Schweitzer, Friedrich (Hg.): Lebens­geschichte und Reli­gion. Religiöse Entwick­lung und Erziehung im Kindes- und Jugen­dal­ter, Güter­sloh 20107.

Inter­netquellen:

  • Möbius, Mag­dale­na: Hin­führung zum Predigt­text, in: Möbius Mag­dale­na (Hg.): Mir­jamheft 2013, Jesus und die Frau am Sab­bat, neue Per­spek­tiv­en auf eine bib­lis­che Heilungs­geschichte, eine Zeitschrift vom Amt für kirch­liche Dien­ste in der EKBO, https://akd-ekbo.de/wp-content/uploads/Mirjam- heft_2013.pdf, Stand vom 09.02.2013.

Lehrpläne:

  • Lehrplan Sach­sen-Anhalt Gym­na­si­um, Kom­pe­ten­zen­twick­lung und Unter­richt­squal­ität. Grund­satzband.: Kul­tus­min­is­teri­um. Stand: 09.02.2015.
  • Fach­lehrplan Sach­sen-Anhalt, Gym­na­si­um Reli­gion: Min­is­teri­um für Bil­dung, Stand: 20.06.2016

 

Eidesstattliche Erklärung

Ich, N.N., ver­sichere, dass ich die vor­liegende Arbeit selb­st­ständig ver­fasst und keine anderen als die angegebe­nen Hil­f­s­mit­tel benutzt habe. Alle Stellen, die dem Wort­laut oder dem Sinne nach anderen Tex­ten ent­nom­men sind, wur­den unter Angabe der Quellen und nach den üblichen Regeln des wis­senschaftlichen Zitierens nachgewiesen.

Ort, Datum Unter­schrift

Fußnoten   [ + ]

1. Die Beze­ich­nung schließt im Fol­gen­den die weib­liche Form adäquat mit ein
2. Interreligiöse Per­spek­tiv­en sowie The­men wie Glauben­skriege und religiös ori­en­tiert­er Ter­ror­is­mus sind momen­tan beson­ders span­nende The­menge­bi­ete.
3. Weitere und detail­lierte Angaben zu den Kom­pe­ten­zen der Schüler ent­nehmen Sie bitte dem kom­men­tierten Sitz­plan.
4. Vgl. Schweitzer, Lebens­geschichte und Reli­gion, S. 137 f.
5. Vgl. Koll­mann, Wun­derver­ständ­nis von Kindern und Jugendlichen, S. 206.
6. Ausnahmen bilden hier N.N., N.N. und N.N., die sich noch in ein­er Über­gangsphase befind­en.
7. Vgl. Schweitzer, Lebens­geschichte und Reli­gion, S. 110 ff.
8. Auch das Alte Tes­ta­ment ist geprägt von Wun­der­erzäh­lun­gen, vgl. dazu: Ex. 14, 16; Im NT selb­st taucht der Begriff Wun­der entsprechend des dif­fer­enten Wun­derver­ständ­niss­es nicht auf. Stattdessen begeg­nen uns drei andere Begriffe: sémeia (all­ge­meines Zeichen Gottes), ter­a­ta (außergewöhn­liche Tat Gottes), dynameis (Kraft­tat Gottes).
9. Vgl. Lach­mann, Rain­er, Wun­der, S. 381.
10. Vgl. Duden, Die deutsche Rechtschrei­bung.
11. Vgl. Fen­ner, Dag­mar, Reli­gion­sethik, S. 29.
12. Vgl. Koll­mann, Wun­dergeschicht­en, S. 202.
13. Vgl. Gop­pelt, Wun­der­erzäh­lun­gen, S. 203.
14. Ebd.: S. 201.
15. Vgl. Ebd.: S. 189 f.; Vgl. Lk. 7,18–23.
16. Vgl. Gop­pelt, Wun­der­erzäh­lun­gen, S. 194.
17. Vgl. Koll­mann, Wun­dergeschicht­en, S. 203.
18. Lachmann, Rain­er, Wun­der, S. 382.
19. Vgl. Lach­mann, Rain­er, Wun­der, S. 382.
20, 22. Vgl. Möbius, Hin­führung zum Predigt­text.
21. Vgl. Mk. 2,27: Der Sab­bat wurde für den Men­schen gemacht, nicht der Men­sch für den Sab­bat.
23, 24. Vgl.: Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 4.
25. Kollmann betont im Rah­men sein­er Wun­der­di­dak­tik stets die Bedeut­samkeit von audio­vi­suellen Medi­en, wobei das Medi­um der Pop­musik beson­ders stark in der Lebenswelt der Schüler ver­ankert ist. Auf diese Weise lassen sich ele­mentare Aspek­te der Wun­der­hermeneu­tik im Sinne eines schüleror­i­en­tierten Zuganges zur Sprache brin­gen sowie ver­tiefen. Auch die Spuren­suche nach dem Wun­der­baren im eige­nen Leben lässt sich auf diese Weise anre­gen.
26. Gleichberechtigung (Klasse 8) oder Grun­daus­sagen christlich­er Ethik (Klasse 10): Beispiel­sweise würde sich hier das Wun­der von der Brotver­mehrung anbi­eten.
27. Spätestens hier sollte das Wun­der als Gesamtkom­po­si­tion betra­chtet wer­den und dementsprechend keine Kürzun­gen mehr vorgenom­men wer­den.
28. Wenn nicht anders angegeben, sind die Fach­di­dak­tis­chen Inhalte der Didak­tik nach Schweitzer ent­nom­men: Schweitzer, Friedrich: Ele­men­tarisierung, S. 14 ff.
29. Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Fach­lehrplan Reli­gion, S. 19.
30. Vgl. Klaf­ki, Wolf­gang: Bil­dungs­the­o­rie und Didak­tik, S.144.
31. Vgl. Büt­tner, Jesus hil­ft, S. 80.
32, 41. Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 2.
33. Vgl. Schweitzer, Friedrich: Ele­men­tarisierung, S. 169–170.
34. Vgl. Büt­tner, Jesus hil­ft, S. 132 ff.
35. Vgl. Schweitzer, Friedrich: Ele­men­tarisierung, S. 172.
36. Vgl. Lach­mann, Wun­der, S. 389, Vgl. Kul­tus­min­is­teri­um Sach­sen-Anhalt, Grund­satzband, Stand: 09.02.2015, S. 3; 14.
37. Schweitzer, Ele­men­tarisierung im Reli­gion­sun­ter­richt, S. 165.
38. Vgl. Koll­mann, S. 209.
39. LACHMANN spricht hier vom hermeneutisch-per­sön­lichen Ver­ste­hen­styp und dif­feren­ziert dabei eben­falls ins­ge­samt drei Sichtweisen.
40. Einige Schüler, wie N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N., N.N. und N.N. haben sehr viel Freude daran, die Brille beim Vor­tra­gen tat­säch­lich aufzuset­zen, sodass sie bei der Ergeb­nisvorstel­lung herumgere­icht wird.
42. Vgl. Ebd.: S. 14.
43. Vgl. Ebd.: S. 3.

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